ITMR Gefährliche Fälschungen im Urheberrecht

Vorsicht! Erneut Fake-Abmahnungen im Urheberrecht

Fachanwalt Medienrecht Urheberrecht IT-Recht Bohne

Jean Paul P. Bohne, LL.M., MM

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Praxishinweis

06.07.2018UrheberrechtFake-AbmahnungFilesharing

Der Beitrag dokumentiert einen konkreten Fall von betrügerischen E-Mail-Abmahnungen im urheberrechtlichen Umfeld. Für die rechtliche Einordnung der formalen Anforderungen an eine urheberrechtliche Abmahnung ist die Vertiefung zum Urheberrecht bei ITMR der passende fachliche Anschluss.

Worum es hier gehtIm Mittelpunkt steht nicht die materielle Berechtigung einer Forderung, sondern zunächst die Echtheitsprüfung eines angeblichen anwaltlichen Schreibens.
Für wen das relevant istFür Betroffene, die per E-Mail zur Zahlung aufgefordert werden, obwohl wesentliche Angaben zur angeblichen Urheberrechtsverletzung fehlen oder widersprüchlich wirken.
Was zuerst zähltKeine Zahlung, keine Link-Klicks, keine spontane Kontaktaufnahme über zweifelhafte Angaben und eine schnelle Prüfung des Schreibens anhand belastbarer Kriterien.

Aktuelle Einordnung

Stand April 2026

Der konkrete kinox.to-Bezug dieses Beitrags ist zeitlich einzuordnen. Die Grundwarnung bleibt jedoch relevant: Verbraucherzentralen warnen weiterhin vor falschen urheberrechtlichen E-Mail-Abmahnungen, bei denen Namen realer Kanzleien missbraucht werden. Für die formale Prüfung bleibt § 97a Abs. 2 UrhG maßgeblich. Danach muss eine Abmahnung in klarer und verständlicher Weise insbesondere den Verletzten, die konkrete Rechtsverletzung, die geltend gemachten Ansprüche und deren Berechnung erkennen lassen. Ob die genannte Person tatsächlich zur Anwaltschaft zugelassen ist, lässt sich zudem über das bundesweite amtliche Anwaltsverzeichnis der BRAK prüfen.

Woran sich verdächtige Schreiben prüfen lassen

  • Nicht zahlen und keine Links öffnenWer sofort überweist oder sich auf verlinkten Seiten „verifiziert“, erhöht das Risiko eines weiteren Schadens durch Phishing, Schadsoftware oder Identitätsmissbrauch.
  • Den behaupteten Sachverhalt auf Plausibilität prüfenFehlt die konkrete Bezeichnung des betroffenen Werks oder bleibt unklar, worin die angebliche Verletzung genau liegen soll, ist besondere Vorsicht geboten.
  • Kanzlei und Anwalt unabhängig verifizierenEntscheidend sind nicht Briefkopf und Signatur allein, sondern die eigenständige Prüfung der Kanzleidaten, der Domain, der Kontaktwege und der Eintragung im amtlichen Anwaltsverzeichnis.
  • Widersprüche bei Konto, Frist und Auftreten ernst nehmenAbweichende Kontoinhaber, ungewöhnliche Zahlungsziele, auffälliger Zeitdruck oder untypische E-Mail-Kommunikation sprechen häufig gegen die Echtheit eines Schreibens.

Eine Abmahnung sollte niemals zu unbedachten Handeln führen

Uns liegen neue Fake-Abmahnungen im Urheberrecht vor. Diese erreichen betroffene Personen via E-Mail.

Perfide ist die Verwendung und der Missbrauch von tatsächlich existierenden Daten einer Rechtsanwaltskanzlei. Auch lassen die nicht vorhandenen zahlreichen Rechtschreibfehler hier zunächst keine Zweifel an der Echtheit aufkommen.

Die Kollegen haben hier aber bereits bestätigt, dass es sich um einen Identitätsdiebstahl handelt. Es sollen wohl weitere Anwaltskanzleien betroffen sein.

Anders als in anderen Fällen, ist für das ungeübte Auge also nicht sofort klar, dass es sich um Fake-Abmahnungen handelt.

Wegen einer vermeintlichen Urheberrechtsverletzung über das Streamingportal kinox.to sollen die angeschriebenen Personen einen Betrag in Höhe von 526,55 EUR zahlen, aufgeschlüsselt in Schadensersatz und Rechtsanwaltskosten.

Auffallend ist aber, dass in der Abmahnung die nach Urheberrechtsgesetz (Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte) zwingend erforderlichen Informationen fehlen, insbesondere wird nicht erklärt, welcher Kinofilm oder welche Serie rechtswidrig gestreamt worden sei.

Das mag man noch als handwerklichen Fehler eines Rechtsanwalts abtun. Auch der Versandweg über E-Mails ist zwar eher ungewöhnlich, Abmahnungen können aber elektronisch erfolgen. Doch weichen vorliegend sowohl angegebenes Konto und der Kontoinhaber von der vermeintlich tätigen Rechtsanwaltskanzlei ab. Als Kontoinhaber wird die DEUTSCHER ANWALTVEREIN LIMITED dargestellt; der Deutsche Anwaltverein ist jedoch keine Ltd. Und schließlich existiert der angeblich handelnde Rechtsanwalt nicht. Das amtliche Anwaltsverzeichnis finden Sie auf der Website der Bundesrechtsanwaltskammer.

Wir können deshalb aus aktuellem Anlass nur erneut den Ratschlag aussprechen:

Seien Sie bitte vorsichtig und prüfen Sie eine erhaltene Abmahnung genau auf deren Echtheit.

Zahlen Sie keinesfalls die geforderten Geldbeträge und lassen Sie sich von einer (Fake)Abmahnung niemals aus der Ruhe bringen.

Wir helfen Ihnen sehr gerne spezialisiert und unkompliziert weiter.

Prüfung und Abwehr von Abmahnungen

Die zunehmende Verbreitung von Fake-Abmahnungen zeigt, wie wichtig es ist, bei derartigen Schreiben wachsam zu bleiben und deren Echtheit sorgfältig zu überprüfen. Unsere Kanzlei unterstützt Sie dabei, sich gegen betrügerische Abmahnungen zu wehren und echte Abmahnungen auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen. Mit unserer Expertise im Urheberrecht und unserer Erfahrung im Umgang mit Abmahnungen schützen wir Sie vor unberechtigten Forderungen und helfen Ihnen, Ihre Rechte effektiv durchzusetzen.

Ein zentraler Aspekt unserer Beratung ist die Analyse von Abmahnungen, um deren Echtheit und rechtliche Wirksamkeit zu bewerten. Wir prüfen, ob die Abmahnung den gesetzlichen Anforderungen, wie etwa § 97a UrhG, entspricht, und identifizieren formale Mängel, wie fehlende Angaben zum Rechteinhaber oder zur konkreten Rechtsverletzung. In Fällen von Fake-Abmahnungen, wie im beschriebenen Fall, unterstützen wir Sie bei der Abwehr solcher Betrugsversuche, einschließlich der Kommunikation mit Behörden oder Plattformen, falls erforderlich.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Abwehr von unberechtigten Forderungen aus echten Abmahnungen. Wir analysieren die Vorwürfe, etwa zu vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen über Streamingportale, und entwickeln Strategien, um Schadensersatz- oder Unterlassungsansprüche abzuwehren. Falls eine Abmahnung berechtigt ist, verhandeln wir mit der Gegenseite, um eine für Sie vorteilhafte Lösung zu erreichen, ohne unnötige finanzielle Belastungen.

Für Unternehmen, die selbst Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen aussprechen möchten, bieten wir präventive Beratung, um rechtssichere Abmahnungen zu formulieren. Wir stellen sicher, dass Ihre Abmahnungen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, um deren Wirksamkeit zu gewährleisten und spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Dies umfasst die klare Angabe des Rechteinhabers, die genaue Beschreibung der Rechtsverletzung und die transparente Aufschlüsselung von Ansprüchen.

Darüber hinaus sensibilisieren wir Sie für die Gefahren von Identitätsdiebstahl und Phishing, wie im Fall der Fake-Abmahnungen. Wir beraten Sie, wie Sie verdächtige E-Mails erkennen, etwa durch Überprüfung der Absenderadresse, des Kontoinhabers oder der Rechtsanwaltsdaten im amtlichen Verzeichnis. Unsere Anwälte unterstützen Sie auch bei der Meldung solcher Betrugsversuche an die zuständigen Behörden, um weitere Schäden zu verhindern.

Fake-Abmahnungen und unberechtigte Forderungen können erhebliche Unsicherheiten verursachen. Mit unserer Unterstützung können Sie sich effektiv gegen solche Angriffe wehren und Ihre Rechte schützen. Kontaktieren Sie uns, um Ihre Abmahnung prüfen zu lassen oder Unterstützung bei der Abwehr betrügerischer Forderungen zu erhalten. Wir helfen Ihnen, mit der notwendigen Sorgfalt und Expertise zu reagieren.

Offizielle Quellen und weiterführende Hinweise

Wer bereits Daten übermittelt oder gezahlt hat, sollte den Vorfall nicht nur dokumentieren, sondern unverzüglich weitere Schutzschritte prüfen.

Zuständige Rechtsanwälte bei ITMR

Jean Paul P. Bohne, LL.M., MM

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht sowie Fachanwalt für IT-Recht. Besonders naheliegend bei der Prüfung und Abwehr urheberrechtlicher Vorwürfe, bei Plattformfällen und bei streitigen Online-Nutzungskonstellationen.


Vorsicht! Erneut Fake-Abmahnungen im Urheberrecht

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