Identifizierende Berichterstattung: Bedeutung und Definition
Definition: Identifizierende Berichterstattung liegt vor, wenn Medien eine Person durch Namen, Bild oder andere Angaben für das Publikum erkennbar machen, etwa im Zusammenhang mit einer Straftat oder einem Fehlverhalten. Sie ist nur zulässig, wenn das öffentliche Informationsinteresse das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen überwiegt.
Das BVerfG hat schon früh betont, dass das Interesse an der Resozialisierung eines Straftäters mit zeitlichem Abstand zur Tat an Gewicht gewinnt (Urteil vom 05.06.1973, 1 BvR 536/72, Lebach). Für Online-Pressearchive verlangt es eine Abwägung, bei der das Gewicht der Berichterstattung über die Zeit abnehmen kann und mildere Mittel wie eine Erschwerung der Auffindbarkeit über Suchmaschinen in Betracht kommen (Beschluss vom 06.11.2019, 1 BvR 16/13, Recht auf Vergessen I). Zu berücksichtigen sind die Schwere der Tat, die Stellung der Person und die Unschuldsvermutung. Der Pressekodex des Deutschen Presserats enthält dazu in Ziffer 8 ergänzende berufsethische Regeln.
Bedeutung für Sie
Gerade bei Ermittlungsverfahren ist Zurückhaltung geboten, weil eine Namensnennung den Ruf dauerhaft beschädigen kann, auch wenn sich der Verdacht später nicht bestätigt. Für Betroffene bestehen Ansprüche auf Unterlassung, Löschung oder Anonymisierung, auch noch Jahre später in Online-Archiven.
Mehr dazu: Presserecht
Rechtsgrundlagen
- Art. 2 Abs. 1 GG Normtext Art. 2 Abs. 1 GG (amtlicher Text, öffnet neues Fenster) (öffnet in neuem Tab) 18 Urteile zu Art. 2 GG
- Art. 5 Abs. 1 GG Normtext Art. 5 Abs. 1 GG (amtlicher Text, öffnet neues Fenster) (öffnet in neuem Tab) 13 Urteile zu Art. 5 GG
- § 823 BGB Normtext § 823 BGB (amtlicher Text, öffnet neues Fenster) (öffnet in neuem Tab) 27 Urteile zu § 823 BGB
- § 1004 BGB Normtext § 1004 BGB (amtlicher Text, öffnet neues Fenster) (öffnet in neuem Tab) 9 Urteile zu § 1004 BGB
Passende Urteile
- OLG Köln: Identifizierende Verdachtsberichterstattung über Insolvenz-Ermittlungsverfahren gegen Unternehmen untersagtOLG Köln, 26.02.2026, Az. 15 W 7/26
- OLG Köln: Identifizierende Verdachtsberichterstattung ohne Anhörung des Betroffenen rechtswidrigOLG Köln, 23.10.2025, Az. 15 U 208/25
- OLG Köln: Identifizierende Verdachtsberichterstattung über Staatsanwältin ohne Mindestbestand an Beweistatsachen unzulässigOLG Köln, 22.09.2025, Az. 15 W 91/25
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